Nicht die Methode entscheidet, sondern Der Kontext.

…Und ob die Facilitation stark genug ist, daraus Ergebnisse zu machen.

In Organisationen werden Methoden oft wie Werkzeuge behandelt: „Wir hätten gern LEGO® Serious Play®“ oder „Können wir das als 3D-Welten machen?“. Verständlich – Methoden sind sichtbar, leicht zu „bestellen“. Nur: Die Methode ist nie der Anfang.

Der Anfang ist immer der Kontext – und damit die Frage, in welchem Arbeitsmodus ihr gerade sein müsst:

  • Braucht ihr gemeinsames Verständnis und eine geteilte Geschichte?

  • Müssen Interaktionen, Rollen und Stakeholder sichtbar und gestaltbar werden?

  • der braucht ihr belastbare Prioritäten, Trade-offs und Maßnahmen, damit Umsetzung passiert?

Der gemeinsame Unterbau ist dabei immer derselbe: Facilitation.


Facilitation ist der Unterbau – nicht das Add-on

Egal ob LEGO® Serious Play®, Playmobil Pro oder 3D-Welten: Ohne saubere Facilitation bleibt es Modellbau. Mit guter Facilitation wird das Modell zum Medium für Entscheidungen und Handlungsfähigkeit.

Gute Facilitation sorgt dafür, dass…

  • aus Perspektiven sichtbare Modelle werden,

  • aus Modellen Optionen und Kriterien entstehen,

  • aus Kriterien Trade-offs werden,

  • aus Trade-offs Entscheidungen werden,

  • aus Entscheidungen nächste Schritte mit Ownership werden.

Das ist der eigentliche Wert: Komplexität wird bearbeitbar, ohne sie platt zu vereinfachen.

Drei Formate – drei typische Einsatzlogiken

LEGO® Serious Play®

Wenn mentale Modelle zu gemeinsamen Narrativen werden müssen

LEGO® Serious Play® eignet sich besonders dann, wenn das Entscheidende in Köpfen steckt: in Erfahrung, Haltung, impliziten Annahmen und unterschiedlichen Deutungen. Dort, wo Teams zwar reden – aber nicht dasselbe meinen.

Typische Kontexte

  • Viele Perspektiven, wenig gemeinsame Sprache

  • Implizite Spannungen („wir sind aligned“, aber nur oberflächlich)

  • Werte, Führung, Kultur oder Identität sollen diskutierbar werden

  • Zukunftsbilder und Szenarien brauchen eine gemeinsame Grundlage

Typische Themenstellungen

  • Führungsverständnis & Leadership-Prinzipien

  • Zusammenarbeit, Kultur, Werte, Teamidentität

  • Strategie- und Visionsarbeit, wenn es zuerst um Sinn und Richtung geht

  • Zukunfts- und Szenarioarbeit: mögliche Entwicklungen greifbar machen

  • Wirkzusammenhänge externalisieren und Hypothesen im Modell testen

Was LEGO® richtig gut kann

  • Unterschiedliche Denkmodelle sichtbar machen, ohne dass es zur Debatte-Schlacht wird

  • Aus individuellem Wissen ein gemeinsames Narrativ bauen

  • Komplexe Zusammenhänge „aus dem Kopf“ holen, sodass man sie gemeinsam prüfen kann

Wo LEGO® nicht die erste Wahl ist

  • Wenn ihr bereits klar im Entscheidungsmodus seid und primär Prioritäten, Maßnahmen und Trade-offs festzurren müsst (dafür sind 3D-Welten oft direkter)


Playmobil Pro

Wenn Interaktionen gestaltet und nicht-anwesende Perspektiven einbezogen werden müssen

Playmobil Pro ist stark, wenn Menschen über Situationen, Rollen und Beziehungen sprechen müssen: wie Zusammenarbeit tatsächlich läuft, wo Reibung entsteht – und wie man Interaktionen neu designen kann. Besonders wertvoll ist es, wenn wichtige Stakeholder-Perspektiven nicht im Workshop anwesend sind, aber strukturiert integriert werden sollen.

Typische Kontexte

  • Rollen- und Schnittstellenunklarheit erzeugt Reibung

  • Stakeholder-Dynamiken müssen verstanden werden (Interessen, Erwartungen, Einfluss)

  • Zusammenarbeit soll über reale Szenen und Übergaben greifbar werden

  • Perspektiven von Kund*innen, Führung, Betrieb, Betriebsrat, Partnern etc. müssen „stellvertretend“ eingebaut werden

Typische Themenstellungen

  • Organisationsentwicklung im Team: Rollenklärung, Verantwortungslogiken, Schnittstellen

  • Stakeholder Mapping und Stakeholder Management (inkl. Abwesende)

  • Gestaltung wiederkehrender Interaktionen: Meetings, Abstimmroutinen, Übergaben

  • Service/Customer/Employee Journey – wenn es um erlebte Realität geht

Was Playmobil Pro richtig gut kann

  • Interaktionen und Beziehungen konkret machen („so passiert es wirklich“)

  • Perspektiven schnell sichtbar machen und Varianten testen

  • Abwesende Stakeholder „ins System“ holen, ohne für sie zu sprechen, aber mit klaren Annahmen

Wo Playmobil Pro nicht die erste Wahl ist

  • Tiefe Identitäts- und Kulturarbeit (da trägt LEGO® oft besser)

  • Reiner Entscheidungs- und Priorisierungsmodus (da sind 3D-Welten meist effizienter)



3D-Welten

Wenn belastbare Maßnahmen, Prioritäten und Trade-offs gebraucht werden

3D-Welten sind besonders stark, wenn es nicht mehr um das große Verstehen geht, sondern um Handlungsfähigkeit: Priorisieren, Hebel ableiten, Trade-offs explizit machen und Maßnahmen so schnüren, dass Umsetzung realistisch wird. Auch für Retrospektiven und Projektarbeit ist das Format extrem wirkungsvoll, weil es „glattzieht“: Vorgehen, Verantwortlichkeiten, nächste Schritte.

Typische Kontexte

  • Es gibt zu viele Themen und keine Reihenfolge

  • Projekte laufen, aber das Vorgehen ist unscharf oder zäh

  • Retrospektiven sollen nicht in Learnings enden, sondern in konkreten Änderungen

  • Entscheidungen werden vertagt, weil Trade-offs nicht offen adressiert werden

Typische Themenstellungen

  • Priorisierung & Roadmaps (was zuerst, was später, was nicht)

  • Ableitung strategischer Hebel und Maßnahmenpakete

  • Trade-off-Workshops: Kriterien klären, Konsequenzen sichtbar machen, entscheiden

  • Projekt-Setups und Projektmanagement: Abhängigkeiten, Schritte, Zuständigkeiten klären

  • Retrospektiven mit verbindlichen Verbesserungsentscheidungen

Was 3D-Welten richtig gut kann

  • Aus Komplexität eine umsetzbare Reihenfolge machen

  • Diskussion in Maßnahmen und Verantwortlichkeiten übersetzen

  • Entscheidungsstau knacken, weil Trade-offs sichtbar und verhandelbar werden

Wo 3D-Welten nicht die erste Wahl ist

  • Für tiefe Systemanalyse als primäres Ziel (geht, ist aber nicht die Paradedisziplin)

  • Für das Modellieren von Wirkmechanismen als Fokus (kann vorkommen, ist aber nicht der Kernnutzen)


Eine einfache Entscheidungsheuristik (die wirklich funktioniert)

Du kannst die Auswahl auf drei Kernfragen reduzieren:

Müssen mentale Modelle zu einem gemeinsamen Verständnis und Narrativ werden?

→ LEGO® Serious Play®

Müssen Interaktionen, Rollen und Stakeholder-Perspektiven gestaltbar werden – auch wenn relevante Personen nicht im Raum sind?

→ Playmobil Pro

Braucht ihr klare Prioritäten, Trade-offs und belastbare Maßnahmen, damit Umsetzung gelingt?

→ 3D-Welten

Und darunter gilt immer: Die Methode wirkt nur so gut wie die Facilitation, die sie trägt.

Typische Kombinationen (weil die Realität selten „entweder oder“ ist)

LEGO® → 3D-Welten
Erst gemeinsames Verständnis, Zukunftsbild und Hypothesen; dann Prioritäten, Trade-offs und Maßnahmen.

Playmobil Pro → 3D-Welten
Erst Interaktionen, Rollen und Stakeholder-Realitäten klären; dann Maßnahmenpakete und Umsetzungsplan sauber priorisieren.

3D-Welten → LEGO®
Wenn Handlungsdruck schon da ist: erst Prioritäten und nächste Schritte fixieren, danach Führungs- und Kulturprinzipien ableiten, die Umsetzung ermöglichen.


Woran du einen guten Anbieter erkennst (statt „Methoden-Shopping“)

Wenn jemand sofort eine Methode verkauft, ohne Kontextdiagnose, ist Vorsicht angebracht. Seriös wird es dort, wo zuerst geklärt wird:

  • Welches Ergebnis wird am Ende erwartet (Verständnis, Interaktionsdesign, Entscheidungen/Maßnahmen)?

  • Welche Spannungen und Stakeholder sind relevant – auch abwesende?

  • Welche Entscheidungen müssen fallen – und welche Trade-offs sind unausweichlich?

  • Welche Artefakte bleiben (Roadmap, Maßnahmenplan, Rollenlogik, Entscheidungsprotokoll)?

  • Wie wird Follow-up gesichert (Ownership, Review, Iteration)?

Denn am Ende zählt nicht, ob es ein „guter Workshop“ war, sondern ob danach etwas klarer, entschiedener und umsetzbarer ist.
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Klarheit kommt nicht durch Alignment. Klarheit kommt durch Entscheidungen.